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Wortbrunnen´s Bücher Blog



º Die Saat (Guillermo del Toro)

24.01.2010 ºDaniela

Ein Flugzeug steht auf der Landebahn, aber keiner der Passagiere macht Anstalten, es zu verlassen. Als sich die zuständigen Sicherheitskräfte dem Schauplatz nähern, wird schnell klar warum: Allem Anschein nach sind alle an Bord befindlichen Personen tot. Man vermutet einen Virus und diese Annahme ist gar nicht so falsch. Allerdings handelt es sich um eine sehr spezielle „Krankheit“, wie der mit der Aufklärung betraute Ephraim Goodweather bald herausfinden muss. Denn die Passagiere sind nicht tot, sie sind Träger einer Saat, die sich anschickt, ganz New York und vielleicht die Welt in ihre gierigen Klauen zu kriegen……….
Klingt eigentlich recht vielversprechend. Aber leider hält die Geschichte nicht, was sie verspricht. Schon die ersten vier bis fünf Stunden des Hörbuchs verlangen ein ordentliches Maß an Geduld und sind (diplomatisch ausgedrückt) stinklangweilig. Der Autor erzählt seine Story aus zu vielen verschiedenen Perspektiven und dreht sich dabei doch ständig um denselben Punkt: Ein verlassenes Flugzeug steht auf der Landebahn. Das ist sicher eine gute Methode, um die wichtigsten Protagonisten vorzustellen, zerrt auf Dauer aber gewaltig an den Nerven des Zuhörers.
Ab Stunde sechs bis sieben kommt zwar allmählich Bewegung in die Geschichte, doch wirklich Neues hat der Autor auch da nicht zu bieten. Wieder einmal müssen die altbekannten Vampire als Bösewichte herhalten und man fragt sich unwillkürlich, ob alle anderen Monster der Literatur gerade streiken. Zugegeben, del Toro verleiht ihnen seine eigene Würze, indem er sie als eine Art von Parasiten darstellt, ohne jegliche Romantik wie bei Anne Rice oder Lara Adrian, aber dennoch bleiben es Vampire. Außerdem greift er trotz seiner abweichenden Charakteristik auf ein mehr als typisches Konzept zurück: Der Meister infiziert seine Jünger, die richten Chaos und Schrecken an, Van Helsing (der Pfandleiher Abraham Setrakian) weiht seine Mitstreiter in das Geheimnis der Heimsuchung ein und die Helden gehen mit ihrer Silberausrüstung auf Jagd. In kleinen Episoden begegnen uns Blut, Leichen und persönliche Schicksale. Ende.
Schade, obwohl ich nichts gegen Vampirromane habe. Im Gegenteil ich bin eigentlich ein großer Fan dieses Genres. Aber hier wäre Raum für wesentlich mehr gewesen. So ist das Hörbuch enttäuschend und ein eher mittelmäßiger Horrorroman, den man sich im Grunde sparen kann. Ein großes Plus erhält es nur wegen seines Sprechers. Dank David Nathan kommt streckenweise zumindest ein bisschen Spannung auf, die der vorhersehbaren Entwicklung hin und wieder eine Frischzellenkur verabreicht.

º Ein Hauch von Schnee und Asche (Highland-Saga 6)

25.12.2009 ºDaniela

Das große Finale der 6-bändigen Saga rund um Jamie Fraser und seine Claire.
Vom Inhalt her hat sich bislang nicht viel geändert. Der Unabhängigkeitskrieg steht vor der Tür und jeder der Protagonisten hat mit seinen größeren und kleineren Problemchen zu kämpfen. Außerdem nähern wir uns endlich der Frage, ob der Brand auf ihrem Anwesen wirklich zu einer tödlichen Katastrophe wird oder ob man die Vergangenheit doch ändern kann.
Nach dem ziemlich flachen letzten Teil sind die Erwartungen natürlich etwas gestiegen. Und werden prompt zur Nichte gemacht, denn auch in „Ein Hauch von Schnee und Asche“ merkt man überdeutlich, dass der Wind aus Gabaldons Segeln ist. Etwa drei Viertel des Hörbuchs quält sie sich mehr schlecht als recht durch die Geschichte, bis es kurz vor Schluss zum ersehnten Showdown kommt. Wobei selbst der einen irgendwie schalen Beigeschmack hinterlässt. Stimmt nicht ganz. Er hinterlässt einen deutlich zu identifizierenden Beigeschmack und der lautet: Ich plane ein siebtes Buch und eventuell auch ein Achtes, Neuntes und Zwanzigstes. Mit anderen Worten, anstatt die Saga mit einem würdigen Ende in den Ruhestand zu schicken, gibt es einen offenen Ausklang mit Potenzial für eine Fortsetzung.  
Wirklich sehr schade.
Sollten diese Bände nämlich jemals auf den Markt kommen, werden sie wohl nur die wirklich eingefleischten Fans tatsächlich lesen und hören. Der Rest, wie meine Wenigkeit, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dankbar verzichten.
Fazit: Mit Ausnahme des vierten Bandes (Der Ruf der Trommel) wurden die folgenden Teile seit „Feuer und Stein“ leider immer liebloser und schwächer. Und über eine wirkliche Handlung verfügten sie nach „Die geliehene Zeit“ eigentlich auch nicht mehr. Vielleicht hätte sich Diana Gabaldon nicht von Schottland als Hintergrund distanzieren sollen. Damit ging irgendwie der Zauber verloren.
Allerletztes Fazit: Sie hat vielversprechend begonnen, diese schottische Saga, konnte die Erwartungen jedoch nicht annähernd erfüllen.
 PS: In der Zwischenzeit hat sich Band 7 der Saga ebenfalls aus dem Ei geschält – womit sich die Einschätzung ja bestätigt. Weiter dabei sein werde ich allerdings nicht.

º Das flammende Kreuz (Highland-Saga 5)

25.12.2009 ºDaniela

Den mittlerweile fünften Band der Steinkreissaga könnte ich mit viel Enthusiasmus wieder als Übergang zu Band 6 bezeichnen. „Ferne Ufer“ tröpfelte schließlich in ähnlich gemächlichem Trott dahin und bereitete eigentlich nur den Boden für „Der Ruf der Trommel“.
Aber hier zählt diese Ausrede leider nicht mehr.
„Das flammende Kreuz“ ist stinklangweilig. Das muss einfach mal gesagt werden. Und der einzige Grund, sich dieses zähe Hörbuch überhaupt anzutun, liegt in der über allem schwebenden Drohung eines Krieges und des verheerenden Feuers, das unsere Helden angeblich dahinraffen soll.
Von Leidenschaft oder Spannung kann keine Rede mehr sein. Die Beziehung zwischen Jamie und Claire hat den Charakter eingeschlafener Füße angenommen und die übrigen Figuren scheinen bloß noch vorhanden zu sein, um gelegentliche Themenwechsel zu rechtfertigen. Keiner verlang, dass permanent nackte Schotten durch die Gegend preschen und mit wilden Bären kämpfen, aber einer eingerosteten Ehe zu lauschen, trägt nicht unbedingt dazu bei, meine Fantasie zu beflügeln.
Ähnliche Gedanken dürften auch der Sprecherin durch den Kopf gegangen sein. Zumindest passt sich die monotone Vortragsweise optimal der Geschichte an. Band 5 kann ich also bei aller Bereitschaft zu Abstrichen lediglich als Riesenenttäuschung bezeichnen. Das Flair der Steinkreissaga, die nicht umsonst eine riesige Fangemeinde hat, versinkt unter den vielen zu wechselnden Windeln, halbherzigen Liebesduseleien und Alltäglichkeiten.

º Der Ruf der Trommel (Highland-Saga 4)

25.12.2009 ºDaniela

Der vierte Teil der Steinkreis-Saga spielt nicht mehr in Schottland, auch nicht in Frankreich oder auf dem europäischen Kontinent, sondern in den amerikanischen Kolonien. Und man fragt sich als Zuhörer doch etwas skeptisch, wie Jamie und Claire dort gelandet sind. Selbstverständlich liefert Diana Gabaldon uns eine maßgeschneiderte Erklärung. Wie schon des Öfteren lässt sie kurzerhand einen entfernten Verwandten, in diesem Fall eine Tante, auf der Bildfläche erscheinen und schon ergibt das Ganze Sinn. Allerdings wirkt diese Erklärung ziemlich konstruiert und trägt nicht unbedingt zu einem fließenden Verlauf der Geschichte bei.
Wie dem auch sei, die beiden bauen sich eine neue Existenz in Amerika auf, werden mit den üblichen kleineren Schwierigkeiten konfrontiert und geben sich redlich Mühe, diese zu bewältigen. Dabei wissen sie jedoch nicht, dass ihnen bereits ernsthafte Gefahr droht. Wie ihre Tochter Brianna in der Zukunft erfährt, werden sie in absehbarer Zeit durch ein gewaltiges Feuer umkommen. Genau das möchte Brianna verhindern. Darum tritt sie wie ihre Mutter durch den Steinkreis……….. und damit hätten wir die lange erwartete Familienzusammenführung erreicht. Alle könnten glücklich sein, aber das Schicksal hat natürlich noch einiges für die Frasers im Handgepäck.
Eine durchweg solide Handlung also, die den wirren Anfang sogar ein bisschen ausgleicht.  Wie schneidet Teil vier nun insgesamt ab?Auch wenn es sich bislang nicht so angehört hat, „der Ruf der Trommel“ ist eindeutig einer der stärksten Teile der Serie. In Bezug auf Spannung, unerwartete Wendungen und Dramatik liegt er auf einer Ebene mit „Feuer und Stein“. Mit anderen Worten: Abgesehen von seiner mangelnden Glaubhaftigkeit bietet dieser Band exakt den mitreißenden Hörgenuss, den seine beiden Vorgänger ein wenig vermissen ließen.
So kann es gerne weiter gehen.

º Ferne Ufer (Highland-Saga 3)

25.12.2009 ºDaniela

Im dritten Teil von Diana Gabaldons Steinkreis-Sage erfahren wir nun endlich, was aus Jamie Fraser nach der Schlacht von Culloden geschehen ist. Und vermutlich verrate ich nicht zu viel, wenn ich sage, dass er überlebt hat. Eine große Überraschung dürfte das nämlich nicht gerade sein. Das gilt zumindest für den Zuhörer, nicht aber für Claire. Als sie nach 20 Jahren von dieser Neuigkeit erfährt, kehrt sie deshalb ohne lange zu überlegen ins Schottland der Vergangenheit zurück, um ihren Geliebten zu suchen.
Inhaltlich schließt „Ferne Ufer“ gekonnt an seine Vorgänger an. Allerdings wird die Geschichte nach den ersten Kapiteln etwas wirr und holperig. Viele neue Figuren tauchen auf, von denen manche nicht wirklich in die Handlung zu passen scheinen. Außerdem hetzt die Story bald von einer unerwarteten Wendung in die Nächste. Ansatzweise dürfte das so gewollt sein, denn schließlich sind 20 Jahre verstrichen und da ändert sich nun einmal so Einiges. Auf der anderen Seite könnte das aber auch an den berühmten Kürzungen liegen. Kleine Verschnaufpausen wären zwischendurch jedenfalls wünschenswert gewesen und hätten dem Ganzen ein bisschen mehr Charme eingehaucht.
Trotzdem kann das Hörbuch problemlos mit seinen Vorgängern mithalten. Es ist stellenweise wirklich spannend, sonst gewohnt kitschig-romantisch und ein netter Zeitvertreib, bei dem man jedoch etwas genauer als sonst der Erzählung lauschen muss, um den Anschluss nicht zu verlieren.
An Daniela Hoffmann als Sprecherin gibt es diesmal – abgesehen von den bereits einige Male erwähnten Schwächen - eigentlich nichts zu bemängeln. Ein paar quäkige Dialoge da und einige gekünstelte Männerstimmen dort.
Mein Fazit: Ferne Ufer sollte man vielleicht nicht als geschlossenen Teil an sich betrachten, sondern eher als Knotenpunkt zwischen Band 2 und 4, der die weiteren Ereignisse ins Rollen bringt.
Zum Schluss noch eine Bitte an Diana Gabaldon, die selbstverständlich zu spät kommt, weil die Bücher ja schon geschrieben sind: Es wäre nett, wenn Sie endlich aufhören, den armen James Fraser ständig zu verstümmeln. Bei den vielen Schnitten, Kugeln, Tritten, Schlägen und Misshandlungen sieht der Kerl bald aus wie ein Schweizer Käse. Ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt!

º Die geliehene Zeit (Highland-Saga 2)

25.12.2009 ºDaniela

Der zweite Teil der Steinkreis-Saga beginnt in der Gegenwart, genauer im Jahr 1968. Claire kehrt mit ihrer 20jährigen Tochter Brianna nach Schottland zurück. Ihr Mann Frank ist gestorben und sie bewahrt seit dem Tag ihres Wiederauftauchens das Geheimnis um ihr damaliges Verschwinden. Natürlich möchte man als Leser sofort wissen, warum sie nach drei Jahren in der Vergangenheit nun doch ihren Jamie, den Vater ihres Kindes, verlassen hat und was aus ihm geworden ist.Für beide Fragen braucht man etwas Geduld. Wobei die Erstere schneller beantwortet wird, denn bis auf dieses Zwischenspiel am Anfang, knüpft die Geschichte nahtlos an den vorangegangenen Teil an. Die Zweite wirft eher Rätsel auf, da Claire in der Gegenwart auf den Grabstein ihres Geliebten stößt. Aber ein toter Held und vier Fortsetzungen? Das passt nicht zusammen, oder?!Für die Lösung müssen wir wohl auf Teil 3 „Ferne Ufer“ wartet. Aber „Die geliehene Zeit“ hat auch Einiges zu bieten. Insgesamt erwartet uns eine etwas flottere und wendungsreichere Story als im ersten Teil. Claire und Jamie verschlägt es nach Frankreich, wo die Feindschaft zwischen dem jungen Schotten und Jonathan Randall, dem angeblichen Vorfahren von Frank, wieder aufflammt. Außerdem sind sie damit beschäftigt Mordanschlägen zu entkommen sowie ihr großes Ziel, die Verhinderung des Gemetzels von Culloden, zu verfolgen.Leider hat die rasante Entwicklung, die hier für Spannung sorgt, auch einen entscheidenden Nachteil: Man merkt überdeutlich, dass an vielen Stellen der Rotstift großzügig angesetzt wurde. Die Sprünge zwischen den einzelnen Szenen sind manchmal einfach zu rabiat und holprig.Positiv dagegen fällt die Sprecherin auf. Daniela Hoffmann hat diesmal ein schönes Tempo, das weder zu schnell noch zu langsam ist und auch die Betonungen sind erfreulicherweise nicht mehr so schwammig. Da verzeiht der Hörer gerne, dass die männlichen Parts weiterhin nicht ganz ihre Sache sind und stets diesen arrogant-pickierten Unterton haben.

Fazit: Ganz klar eine Steigerung zu „Feuer und Stein“. Da kann man sich wirklich auf die weiteren Fortsetzungen freuen.

PS: Nicht wundern, dass ich hier zwischendurch von Steinkreis-Saga rede statt von Highland-Saga. Bei meinem Hörbuch-Download-Service des Vertrauens kann man sich da offenbar nicht eindeutig entscheiden.

º Feuer und Stein (Highland-Saga 1) Diana Gabaldon

25.12.2009 ºDaniela

Ausnahmsweise möchte ich diese Rezension mit einer kurzen Warnung beginnen: Wer ein historisches Epos mit Tiefgang erwartet oder ein verschlungenes Erzählwerk vom Kaliber „Die Säulen der Erde“ wird vermutlich bitter enttäuscht werden. Ebenso wie diejenigen, die Diana Gabaldons Highland-Saga bzw. Steinkreis-Saga schon in gedruckter Form gelesen haben. Bei der durchaus großzügigen Kürzung dürfte für Insider so manches auf der Strecke bleiben.
Wer ist mit dem Hörbuch also gut beraten?
Kurz gesagt jeder, dem die knapp 1000 Seiten pro Band schon von vorneherein zu lang sind. Außerdem jeder, der sein Gehirn gerne mit historischen Liebesromanen, die den gewissen Schmelz haben, auf Urlaub schickt. Denn trotz Gabaldons spürbarer Affinität zu Schottland und der geschichtlichen Authentizität bleibt es doch letztendlich eine kurzweilige Historienschnulze.
Jetzt aber zum Inhalt. Im Jahr 1945 verbringen Claire Beauchamp Randall und ihr Mann die zweiten Flitterwochen im schottischen Hochland. Als die ehemalige Frontkrankenschwester einen Steinkreis berührt, verschlägt es sie mitten in das Jahr 1743. Umgeben von Gefahr und Tod begegnet sie dem stattlichen Schotten James Fraser, mit dessen Schicksal von nun an untrennbar verbunden scheint, und wird seine Frau.
Eine Liebe mit Zukunft? Wer weiß? Dass sich ihre Wege noch des Öfteren treffen werden, scheint gewiss, schließlich gibt es mehrere Fortsetzungen der Steinkreis-Saga. Wie es ausgeht, das bleibt abzuwarten.
Insgesamt eine nette Geschichte, die mit einigen überraschenden Entwicklungen aufwartet und bei der auch die Leidenschaft nicht zu kurz kommt. Allerdings muss man des Öfteren ein Auge zudrücken, was die Logik oder Stimmigkeit des Ganzen anbetrifft. So erfolgen manchmal Wendungen, die man als Hörer beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Was aber wiederum daran liegen könnte, dass die gewünschte Erklärung der Kürzung zum Opfer gefallen ist. Gleichfalls hapert es stellenweise an Glaubhaftigkeit. Dass Jamie Fraser, ein junger Mann in Saft und Kraft, tatsächlich unberührt sein soll, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Und auf manche Fragen wird es wohl niemals eine Antwort geben.
Zu guter Letzt sollte noch die Sprecherin erwähnt werden. Daniela Hoffmann dürfte man als Hörer gleich in den ersten Sekunden als die deutsche Stimme von Julia Roberts erkennen. Daran gibt es zunächst nichts auszusetzen. Mit ihrem warmen und weichen Klang führt sie unaufdringlich durch die Geschichte und verpasst ihr einen ganz eigenen Stempel. Dummerweise hat der Stempel so seine Schwachstellen. Daniela Hoffmann erzählt mit einer zähen Geschwindigkeit, die gelegentlich wirklich Geduld erfordert und auch Betonungen sind nicht ihre Stärke. Zwischen Landschaftsbeschreibungen und ironischen Kommentaren der Figuren bestehen praktisch keine Unterschiede. Und die Sprechweise der männlichen Rollen würde ich nicht gerade als gelungen bezeichnen. Damit erreicht sie höchstens ein Mittelmäßig und das ist wirklich schade. Aber es besteht ja die Hoffnung, dass sie in den nächsten Bänden etwas zulegt.  Abschließendes Fazit: Empfehlenswert, wenn man nicht zu viel erwartet, gewisse Abstriche macht und Bedarf an ein wenig Romantik hat.

º Geliebte der Nacht (Lara Adrian)

15.11.2009 ºDaniela

Die Künstlerin Gabrielle sieht sich eines Nachts unvermittelt einem Rudel wilder Vampire gegenüber, die sich auf ein wehrloses Opfer stürzen und denen sie nur knapp entkommt. Die Polizei glaubt ihr selbstverständlich kein Wort und sie beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln. Hatte ihre Mutter, die sich in einer Nervenheilanstalt umgebracht hat, als sie noch ein Kind war, nicht die gleichen Wahnvorstellungen? Zu allem Überfluss taucht bald darauf der charismatische Beamte Lucan Thorne bei ihr auf und verdreht ihr gehörig den Kopf. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit ihm. Nur, ist der Mann überhaupt Polizist? Und ein Mensch?Die Story, die Lara Adrian dem Zuhörer liefert, entspricht genau den Erwartungen, die man an einen Vampirroman in der Tradition einer Anne Rice erwartet. Sie ist düster, spannungsgeladen und mit dem entscheidenden Quäntchen Erotik ausgestattet.
Trotzdem gelingt es der Autorin frischen Wind in die Geschichte zu bringen, denn im Gegensatz zu ihrem großen Vorbild, greift sie nicht auf Blutsauger zurück, die durch einen Virus oder einen Fluch zu ihrem Dasein verdammt wurden. Bei ihr sind die Geschöpfe der Nacht Außerirdische.
Klingt zunächst reichlich dämlich. Und genau deshalb muss man es Adrian hoch anrechnen, dass sie den Aufbau dieser extraterrestrischen Gesellschaft so gekonnt gesponnen hat, dass er überzeugend und nicht lächerlich daherkommt. Mit einer Liebe zum Detail schildert sie die Verbindung dieser ersten Vampire mit den Menschenfrauen – denn es gibt lediglich männliche Sprösslinge - , die Aufspaltung in unterschiedliche Generationen und den tödlichen Konflikt, der zwischen den verschiedenen Lagern entbrannt ist.    Einzig mit der Erotik übertreibt sie es ein bisschen. Was Anne Rice dezent andeutet, schlägt sie einem derart brachial um die Ohren, dass es schon in Pornografie ausartet. Audible hat also gut daran getan, das Hörbuch erst ab 18 freizugeben.
Wieder einmal ein Volltreffer ist Simon Jäger als Sprecher. Mit der Synchronstimme von Heathe Ledger, die den Figuren gekonnt Leben einhaucht, gewinnt das Buch eindeutig an Qualität. Neben Joachim Kerzel und David Nathan gehört er eindeutig zu meinen Favoriten, und das zurecht.Insgesamt kann ich Fans des Genres „Geliebte der Nacht“ eindeutig empfehlen. 

º Blind (Joe Hill)

13.10.2009 ºDaniela

Auf dieses Buch bin ich durch Zufall gestoßen und habe es um ehrlich zu sein hauptsächlich aufgrund des Autors gelesen. Für alle, die es noch nicht wissen: Joe Hill ist ein Pseudonym und der Schreiberling kein anderer als der Sohnemann von Stephen King.
Tja, es tut mir ja leid für den armen Kerl, der sich extra einen Künstlernamen zugelegt hat, um mit eigenem Talent und nicht mit dem Bekanntheitsgrad seines Vaters zu überzeugen, aber für mich zählte hier rein die Verwandtschaft zum Meister des Horrors. Sorry Joe! Ich schätze er wird es verschmerzen, immerhin hat er schon ein paar Preise abgeräumt und bewiesen, dass er auf eigenen Beinen stehen kann. So jetzt aber zum Buch. Blind ist Hills erster Roman und geht ein bisschen in die Richtung Geistergeschichte trifft Roadmovie. Der alternde Rockstar Judas Coyne erwirbt per Internetauktion einen Geist und muss feststellen, dass dieser ihm nicht wohlgesonnen ist. Offenbar machen er und dessen Stieftochter (die Coyne den Geist aufgehalst hat) ihn für den Tod seiner ehemaligen Geliebten Anna verantwortlich, die sich das Leben genommen hat. Der Kampf um seine Existenz beginnt und die Story nimmt so manche Wendung mit der man als Leser nicht gerechnet hat.
Insgesamt ist Blind recht gelungen, unterhaltsam und spannend. Allerdings fehlt noch so ein bisschen der letzte Kick, denn wirklich Neues kann das Buch nicht präsentieren. Auf die Frage, die man automatsch im Hinterkopf hat („Kann der Sohn mit dem Vater mithalten?“) würde ich folglich mit einem „Ja, aber“ antworten. Joe Hill hat zweifellos eine Menge Talent, aber er könnte ruhig noch ein Schippchen drauflegen. Da ist mehr drin……und ich schätze, das kriegen wir in Zukunft auch geboten.

º Splitter (Sebastian Fitzek)

06.09.2009 ºDaniela

Nachdem ich bereits „Der Seelenbrecher“ kenne und davon ziemlich begeistert war, sind meine Erwartungen bei „Splitter“ natürlich umso höher. Sebastian Fitzek heißt für mich Lagerfeuerstimmung, unaufdringlicher Schauer, Spannung und jede Menge überraschende Wendungen.
Dafür bietet die Story schon einmal gute Voraussetzungen. Marc Lucas, die Hauptperson der Geschichte, verursacht einen Autounfall, der seine Frau und sein Kind das Leben kostet. Weil er mit dieser Schuld nicht umgehen kann, plant er an einem Experiment teilzunehmen, das diese Erinnerungen aus seinem Kopf löschen soll. Letztendlich entscheidet er sich allerdings dagegen - und an dem Punkt beginnt der Albtraum. Als er nach Hause kommt, trägt das Türschild nicht mehr seinen Namen, der Schlüssel passt nicht und ein Fremder behauptet er zu sein.
Klingt interessant, aber kann die Geschichte auch halten, was sie verspricht?
In jedem Fall. Vor allem die Wendungen und Überraschungsmomente überzeugen, denn als Zuhörer wird man mit derart vielen Möglichkeiten konfrontiert, dass man sich immer wieder aufs Glatteis führen lässt. Hat Marc Lucas doch an dem Experiment teilgenommen und weiß es bloß nicht? Ist seine Frau überhaupt tot? Ist die Erinnerung an den Unfall Realität oder das wahre Experiment? Und in dem Moment, in dem man glaubt, das Rätsel geknackt zu haben, löst sich die Idee in Luft auf und man muss wieder von vorne anfangen.
Insgesamt ein extrem spannender Thriller, der einem keine Verschnaufpausen gönnt und locker mit „Der Seelenbrecher“ mithalten kann. Was zum Teil sicherlich auch dem Sprecher Simon Jäger zu verdanken ist, der die Story wieder einmal gekonnt in Szene setzt. Er ist eben nicht nur als deutsche Synchronstimme von Heath Ledger und Matt Damon eine Bereicherung.
Damit ist „Splitter“ ein rundum gelungenes Komplettpaket, das ich nur wärmstens empfehlen kann.